03. Jänner 2008
Entspanntes Englisch
Passiert jede Rechtschreibprüfung und so manche Schularbeit, ist aber kein idiomatisch korrektes Englisch"Entspanntes Englisch", Wirtschaftsblatt, 3. Jänner 2008.
Zweimal pro Jahr erreicht uns ein Paket: eine Linzer Torte, die meine Eltern zu meinem und dem Geburtstag meiner Frau direkt von der Backstube in die USA versenden lassen. Zweimal pro Jahr freuen wir uns auf jedes einzelne Stück. Zweimal pro Jahr währt diese Vorfreude noch um einige Minuten länger, da wir uns vor lauter Lachen erst die Tränen aus den Augen wischen müssen.
Denn jede Torte wird von einer Ansichtskarte mit den Worten „Original Linzer Torte, ein süßer Gruß aus Linz" begleitet. Der Empfängeradresse entsprechend, steht darunter die englische Version. Und das macht es so lustig. „The typical cake from Linz" gefolgt von „Sweet greetings from Linz" passiert jede Rechtschreibprüfung und so manche Englischschularbeit, aber idiomatisch korrektes Englisch ist es nicht.
Mit dem Buddy via Handy chatten
Jeder Teenager, der im Shoppingcenter auf seinem Handy mit Buddys chatted glaubt Englisch zu können. Nur schade, dass Amerikaner oder Engländer weder „Shoppingcenter" noch „Handy" verstehen würden. Dort heißt es „Mall" und „Cell" oder „Mobile phone" und „Buddies" ersetzen „Buddys".
Werbeslogans ermuntern noch. Die InMotionLounge der ÖBB lädt Gäste zum Voten ein. Stressless Möbel und pflegende Sun-Sprays ermöglichen die passende Relaxation nach anstrengendem Surfen - dem durch das Web, nicht an der Beach.
Österreichern mit pseudo-englischen Werbeslogans internationales Flair zu vermitteln ist eine Sache. Englischsprachigen Kunden ein Stück Österreich zu übermitteln, etwas ganz anderes. Dazu benötigt man mehr als einen Werbetexter, der Teenslang spricht, sondern vielmehr einen Native Speaker, wie es auf gut Deutsch heißt.
Kollektiver Wissenspool
Es ist keine Schande, einzugestehen, dass selbst der beste Anglizismus-Dozent die englischsprachige Mutter nie gänzlich ersetzen kann. Ich wohne seit mittlerweile zehn Jahren in den USA, schrieb Leitartikel für die Financial Times und habe Schwierigkeiten, meinen Eltern meine Dissertation ins Deutsche zu übersetzen. Trotzdem korrigiert meine Frau noch immer meine Gehversuche in der englischen Sprache.
Muttersprachige Werbetexter einzusetzen mag beschwerlicher sein als sich auf den kollektiven Wissenspool seiner Teenage Buddys zu verlassen. Aber englischsprachige Werbungen, die Ausländer nach Österreich locken wollen, sollten lieber einen „Smile in the Sky" hervorrufen als ein Schmunzeln hinter vorgehaltener Hand.
Geschrieben von Gernot Wagner, Donnerstag, Jänner 03, 2008. ![]()

