Gernot Wagner

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27. September 2006

Profitable Spenden

Charity, Stiftungen & Profit: Ein neuer Trend
Profitgedanke hält in gemeinnützigen Stiftungen Einzug, zum Wohle aller Beteiligten

Wirtschaftsblatt, 27. September 2006.


Spenden machen sich oft für den Spender bezahlt. Mäzene schreiben ihre Großzügigkeit von der Steuer ab, deklarieren sie als Werbeaufwendungen oder kaufen sich so nicht-materielle Glückseeligkeit. Schlussendlich verbleibt aber stets ein Geldbetrag, der aus den Kassen des Spenders in jene des Empfängers fließt. Wenn es nach dem jüngsten Trend unter Großspendern geht, scheint dieser Grundsatz nicht mehr zu gelten.


Der große Unterschied

Die Google-Gründer Larry Page and Sergey Brin haben die erste offizielle For-Profit-Charity, eine gewinnorientierte Wohltätigkeitsorganisation, gegründet. Dabei geht es selbstverständlich nicht nur um Gewinn. Die Google-Stiftung versucht in den Bereichen Welthunger, Energie und Umwelt Gutes zu tun.

Sir Richard Bransons letzter Streich lässt sich ebenso in diese Kategorie einreihen. Der exzentrische Milliardär am Ruder der britischen Virgin Group hat sich dem Kampf gegen Klimawandel verschrieben.

Der große Unterschied zu herkömmlichen Stiftungen ist, dass beide bewusst auf die Steuervorteile verzichten, die gemeinnützigen Organisationen traditionell gewährt werden. Dabei geht es um beachtliche Summen. Google.org geht mit einem Startkapital von einer Milliarde Dollar ins Rennen. Branson versprach dem Kampf gegen Klimawandel alle Profite der Fluglinie Virgin Air und seiner Privatbahn über die nächsten zehn Jahre hinaus, schätzungsweise drei Milliarden Dollar. Den amerikanischen und britischen Steuerzahlern kann es nur recht sein, dass niemand Steuernachlässe gültig machen wird.


Kredite statt Spenden

Ein Grund, warum diese Großspender auf die extra Finanzspritzen des Fiskus verzichten, ist Flexibilität. Weder Google noch Virgin sind dafür bekannt sich von traditionellen Verhaltensmustern Auflagen machen zu lassen. Bei gemeinnützigen Stiftungen wiehert der Amtsschimmel jedoch mit besonderer Begeisterung. Der Verzicht auf Steuernachlässe geht mit einem Verzicht auf besondere bürokratische Auflagen herein.

For-Profit-Stiftungen dürfen ohne weiteres eigene Unternehmen gründen und in profitträchtige Unternehmen investieren. Sowohl beim Kampf gegen Armut als auch gegen den Klimawandel ist dies von unumstrittenem Vorteil.

Kleinkredite sind etwa oft effektiver als direkte Spenden. Der Grund läuft auf das Selbe hinaus, wie der sprichwörtliche Unterschied zwischen Fische verteilen und jemandem Fischen zu lernen. Der eine profitiert so lange die Spenden reichen. Der andere baut sich mit seinem Kredit eine eigene Existenz auf.

Kleinkredite sind kein Allheilmittel, aber richtig eingesetzt bewirken sie tatsächlich Wunder. Die Verantwortung für die Rückzahlung motiviert Kreditempfänger mit ihren Geldern vorsichtiger umzugehen als Spendenempfänger. Ein Teil der Google-Milliarde fließt an einen Geschäftsplanwettbewerb, um Ideen wie Kleinkredite zu identifizieren und zu fördern.

Beim Kampf gegen Klimawandel dreht sich alles um die Entwicklung von Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Karitative Zuwendungen sind dafür zwar nett, ohne eigenständigen Profit werden sie aber stets wie Almosen wirken. Sir Richard gründete Virgin Fuels mit genau diesem Verständnis. Ob die 400 Millionen Dollar Startkapital Gewinn bringen werden, kann er noch nicht sagen. Eines ist aber klar: Wenn die Investition zumindest langfristig nicht rentabel ist, ist es um eine Alternative zu Öl schlecht bestellt. Falls es tatsächlich zu einem Durchbruch kommt und Virgin Fuels etwa einen nicht-fossilen Flugtreibstoff entwickelt, wären die 400 Millionen rentabler angelegt als in irgendeinem seiner anderen 200 Unternehmen der Virgin Group.


Hoffen auf enorme Profite

Für die Welt wäre es nur von Vorteil, wenn Google und Virgins karitative Projekte enorme Profite abwerfen und ihre Konzerne in Sachen Rentabilität in den Schatten stellen. Man sollte also hoffen, dass Google.org profitabler wird als Google.com. Dann spielen auch die verlorenen Steuernachlässe keine Rolle mehr.

Sollten die Projekte trotz allem unrentabel bleiben, dürfen ihre Spender die Beträge zumindest teilweise in die Spalte „Werbeaufwendungen“ rücken und zu guter Letzt auch noch beruhigt schlafen. Kein Spa-Besuch ersetzt den erholsamsten aller Schlafarten, den Philanthropenschlaf.

Geschrieben von Gernot Wagner, Mittwoch, September 27, 2006.

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